John Fante: 1933 war ein schlimmes Jahr

Wenn ein Autor es schafft, ein Credo seines Lesers umzuwerfen, dann muss er ein Talent haben. Mein Credo war immer: Keine Geschichten lesen, bei denen abzusehen ist, dass man vordergründig nichts daraus lernt, dass sie bei der eigenen Entwicklung nicht helfen.  Ich habe es doch getan, und ich will künftig dem Zufall – man kann eben nicht alles absehen – zumindest etwas mehr Raum geben bei der Auswahl von Büchern. Es stimmt zwar, vordergründig lernt man aus Fante wohl kaum etwas: „1933 war ein schlimmes Jahr“ ist die Geschichte eines Jungens, erzählt aus dessen Perspektive in der Ich-Form, der in den USA in einer Kleinstadt lebt. Seine Eltern sind Einwanderer aus Italien, der Vater ist Maurer, sie haben ständig Geldsorgen. Der Sohn wird manchmal davon heruntergezogen, aber immer schimmert auch der Traum durch, doch einmal ein großer Baseball-Spieler zu werden.

Von der bloßen Handlung her betrachtet ist es genau das, was ich erwartet habe: Ein junger Mensch, gefangen in Perspektivlosigkeit, träumt vom Ausbruch, wird aber immer wieder von der Realität eingeholt.

Aber wie das erzählt ist: Voller Warmherzigkeit, voller Differenziertheit, voller Sympathie. Der Autor hat so oft die Möglichkeit, die Ereignisse ins Negative hin eskalieren zu lassen, aber er tut es nicht. Stattdessen bekommen wir hier einen wunderbar tiefen Einblick in ein Leben, das am Anfang steht und sich auf zarte und dennoch beharrliche Weise gegen den scheinbar festgelegten Lebensweg wehrt.

Das ist nicht nur große Erzählkunst, sondern auch große Menschlichkeit, die einem hier begegnet.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s